Der zornige Öhi aus dem Allgäuer Land,
der hat im Zorn die ganze Welt verbrannt.
Weil sie ihm ohn‘ nachzudenken seine Welt zerstörten,
blieb ihm keine Wahl, als sie alle zu töten.

Der Zornige

Der Öhi konnt‘ sie nicht länger lassen,
konnt‘ nicht länger zusehen, begann sie zu hassen.
Wie sie in ihrem stupiden und sich steigernden Konsum,
immer noch billiger immer noch mehr kauften wie dumm.
Stetig wurde durch Nachfrage die Produktion erhöht,
und dabei immer weiter und schlimmer Natur zerstört.
Die Natur, das aber war des Öhis Lebensraum,
in ihr und mit ihr zu leben war sein großer Traum.
Doch in ihrer großen Dummheit, Unsinniges zu kaufen,
Wasser in Plastik und schwarze Zuckerbrause zu saufen,
keinen Tag auf das täglich Fleisch zu verzichten,
dabei ganz geschwinde ganze Landstriche zu vernichten,
jeder noch so unnötigen Mode hinterher zu rennen,
dabei das Leid von Mensch und Tier völlig verkennen,
hörten sie bald ganz auf, nach links oder recht zu schauen,
er musste ihnen Einhalt gebieten, bald packte sie das Grauen.

Sie glauben schlicht alles und können doch an nichts glauben,
mit dem Konsum kann man den Schwachen die letzte Würde noch rauben.
Irgendwelche schlauen Ernährungsspezialisten zum Beispiel meinten,
man solle vom fetten Huhn alles bis auf die Brüstchen vermeiden.
Was soll man mit dem Rest vom getöteten Huhn denn jetzt tun?
Ganz einfach: Wir schicken’s subventioniert nach Kamerun!
Aus Steuermitteln finanziert fahren wir die Karkassen gefroren
flugs in Massen nach Afrika zu den ganzen Eingebor’nen!
Macht nichts, wenn die nichts zum Kühlen haben und leiden,
sich Dank Streptokokken die Seele aus dem Leib speiben.
Und dass die regionalen Hühnerfarmer auch noch pleite gehen,
wollen die reichen Europäer in ihrem Kaufrausch nicht sehen.
Der Öhi sieht es wohl und blickt drauf im Gram,
er fragt sich, weshalb sie alle kein Gewissen ham.
Warum sie aus eigener Gier und ohne aufzublicken
die ganze Welt in ihrem Irrsinn zu Tode ficken!

Aber hallo! Was interessieren uns denn die ganzen Neger?
Man hat doch ein Anrecht auf seinen täglichen Burger?
Zu Ostern schenkt man den lieben Kindern Schocki von Ferrero,
für die schwarzen Kinder in Westafrika bedeutet das aber Terror.
Da kommen Lastwagen in Dörfer gefahren, Typen darauf mit Waffenmacht.
Die schnappen sich Kinder im Alter von 12, die werden einfach weggeschafft.
Man fährt sie ohne ein Wort 500 Kilometer in eine fremdes Land,
sie verstehen die Sprache nicht, sie vermissen die Eltern, sind in Schrecken gebannt.
Müssen 14 Stunden 7 Tage die Woche auf Kakao-Plantagen buckeln.
Dem Milka-mampfenden Europäer entlockt das nicht mal ein Schulterzucken.
Der sieht einfach nicht ein, weshalb er verzichten sollte,
klar ist das alles schlimm, ist nicht so, dass er’s wollte.
Aber das Fressen sein lassen für ein paar Bimbokinder?
Komm‘, spinn dich aus, du linker Ökospinner!
Wir lassen uns den Konsum doch nicht von dir vermiesen,
komm‘, pack dich fort, geh‘ deinen Salat mal schön gießen.

Überhaupt: Mit dem Kopf einschalten haben sie es wohl nicht,
das zeigen sie deutlich, wenn sturköpfige Dummheit aus ihnen spricht.
Was soll noch der Thunfisch in dem Salat, werter Herr,
ham se’s noch nicht mitbekommen, den gibt’s bald nicht mehr?!
Wie so vieles anderes, das sie vom Planeten hinfort gefressen,
weil sie in ihrer Gier nicht an sich halten können und ganz versessen
immer mehr in ihre triefenden und sabbernden Münder schmeißen.
Auf all die Warnungen kann man doch, gelinde gesagt, scheißen!
Wenn’s den Thuna nicht mehr gibt, fressen wir eben mehr Shrimps,
die pulen Zwangsarbeiter aus Mianmar, ist dir egal, stimmt’s?!
Damit die Massen an Rindern für unsere Steaks auch satt werden,
raubt man in Brasilien den Bauern das Land, so ist das Leben eben!
Dann kräftig Soja als Futter angepflanzt und mit Pestiziden zugedeckt,
damit der bereits hungernde Bauer am Ende am Gift dann verreckt.
Den Öhi, den packt eine Wut, er liest ihnen die Leviten,
ihnen ist es aber ganz gleich, so greift er zu anderen Mitteln.

Und wieder sieht der Öhi zum Entsetzen bei einer Fahrt auf der Autobahn,
einen Viehtransport, daraus Steckdosennasen herausragend, an sich vorüberfahr’n.
Wann begreifen die Menschen, wie groß die Qual dieser Tiere ist,
wenn man sie zusammenpfercht, fortreisst, massakriert und sie dann isst?
Zu Tausenden werden die lieben Vierbeiner in Fabriken zusammengepresst,
es ist noch reichlich da, langt kräftig zu, los los, lasst es euch schmecken und esst!
Ein in Zellophan unter Neonrohr liegendes Schnitzel sieht doch lecker aus,
dass das vorher der rennende Rudi Rüssel war, steht zum Glück ja nicht drauf.
Dass der Rudi übersät mit Verletzungen und bösen Eiterbeulen zum Schlachthof kam,
vollgepumpt mit Adrenalin, Stresshormonen, vor Angst die Scheiße im Darm,
steht ja nicht drauf auf der Packung, nur der Preis ist zu lesen, 99 Cent.
Ja das ist doch lecker, das gibt doch Kraft, dass mir das keiner verkennt!
Wir lassen uns das Massenfleischfressen doch nicht madig machen,
auf mein täglich Fleisch zu verzichten? Das ist nicht zu schaffen!
Iss du Öko mal schön deine vegane Mahlzeit und schweige still.
Es hilft Dir ja eh nichts, lebst genauso mit und in unserem Müll!

Der Öhi, er konnte sie nicht länger gewähren lassen,
es genügte ihm auch nicht, sie einfach zu hassen.
Er musste sie stoppen, kostete es, was es wolle,
die Gefahr für ihn selbst spielte dabei keine Rolle.
Wie er es letztlich getan, wie es ihm gelang, bleibt ein Rätsel allen,
er hat’s aber geschafft, die Schreie der Sterbenden woll’n nicht verhallen.
Ganz perfide, sie mit ihren Waffen schlagend, ist’s ihm gelungen,
so wie man früher zur Ritterszeit vergiftet hat die wichtigen Brunnen:
Irgendwie kam er an die Produktionsstätten ran
und hat ohne Gewissen und ganz ohne Scham
all die Produkte vergiftet, die sie täglich in rauen Mengen verspachteln,
zwar auf das Verfallsdatum, aber nicht auf den Dreck des Inhalts achten.
Der bittere Witz dieser Geschichte am Ende ist, weil sie nicht verzichteten,
sie sich selbst mit dem ganzen Müll aus dem Discounter vergifteten.
Mit Tüten von Aldi, Lidl und Netto beladen kamen sie heim und dort
blieben sie nach dem Verzehr tot liegen, es war Öko-Massenmord.

In mildem Lichte der Allgäuer Öhi in seinem Garten steht,
ein Lächeln umspielt seine Lippen, wie er da harkt in seinem Beet.
Würde man ihn fragen, warum er’s getan,
ob er denn völlig irre sei, verrückt, vollkommen in einem Wahn?!
Würd‘ er nur mit den Schultern zucken und sagen, es musste sein,
ich liebe die Natur, liebe die Bienen, die Rinder und das liebe Schwein,
konnte nicht länger an mich halten und nicht mehr aufs Handeln verzichten,
während ich zusah, wie sie mit ihrem Konsum die Erde vernichten.
Irgendwer musste sie ja stoppen, bevor es zu spät gewesen wäre,
dass ich mich der Erde erbarmte und es übernahm, gereicht mir nicht zur Ehre,
aber getan werden musste es, irgendeiner musste sie stoppen.
Jetzt ist es vollbracht, während ihre fetten Körper in Gräbern verrotten,
und irgendwann wieder einmal zu frischer, fruchtbarer Erde werden,
die dann mit Gemüse bepflanzt neue Generationen ernähren.
Für eine gute Zukunft müssen wir weise werden und uns geben den Schwur:
In Frieden leben können wir nur im Einklang mit Mutter Natur.

(Poetry Slam Text über des Kunsthansis inneren Öko-Faschisten – sein Therapeut ist eingeweiht! – vom April 2015. Vorgetragen im Finale des ROXY Poetry Slam am 6. Juni 2015.)

Video des Auftritts im Finale beim Slam im ROXY.Ulm, 6. Juni 2015
(Aufgezeichnet und veröffentlicht vom ROXY.Ulm, danke!)

 

Live-Mitschnitt des Final-Auftritts beim 3. Donauslam Neu-Ulm
(Aufgezeichnet und ausgestrahlt von Radio free FM, danke!)

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